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Ohrlochschiessen bei Kindern!??

Schmuck oder Körperverletzung?  

Ab wann sind Ohrringe bei Kindern unbedenklich?

Bereits kleine Mädchen sind fasziniert von Schmuck - viele Mamas machen es vor und auch der Handel offeriert ein großes Angebot an Armreifen, Ketten und Haarspangen schon für die Allerkleinsten.

Einem Kleinkind oder gar Baby Ohrlöcher stechen zu lassen, geht über das reine "Schmücken" jedoch hinaus.

Mädchen-Eltern wissen, dass sich häufig schon die ganz Kleinen Ohrringe wünschen. Aber ab wann sind Ohrlöcher bei Kindern eigentlich unbedenklich?

Wir sagen, worauf Eltern achten sollten.

 

Ärzte warnen vor Ohrlöchern bei Minderjährigen

Für Kinderärzte ist der Fall klar. Der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ) warnt vor dem Stechen von Ohrlöchern bei Kindern.

 "Ohrlochstechen, Tätowierungen und Piercings bei Minderjährigen sind aus unserer Sicht Körperverletzung", sagt BVKJ-Präsident Wolfram Hartmann.

 "Jeder Eingriff in den intakten Körper eines Kindes ist problematisch."

 

Angriff auf die körperliche Integrität

Dieselbe Meinung vertritt der Facharzt für plastische und ästhetische Chirurgie, Friedrich-Wilhelm von Hesler.

"Jeder Angriff auf die körperliche Integrität ist eine Körperverletzung - auch das Ohrlochstechen", findet der in Hannover und Berlin praktizierende Arzt.

"Das Kind kann nicht einwilligen und die Eltern dürfen nicht in alles einwilligen", sagt der 60-Jährige.

Kinder ab 14 Jahren sollten selbst entscheiden - wenn sie strafmündig sind -, aber ausdrücklich nur mit Einwilligung der Eltern.

Ohrlöcher bei kleinen Kindern seien nicht notwendig, sagt von Hesler.

"Die Ohrringe sind doch eher Schmuck für die Eltern." Er habe schon erlebt, dass die Wunden nicht gut heilten.

 

Wann Juweliere und Piercing-Studios Einwilligung verlangen

Derzeit gibt es für Tätowierungen und Piercings - und damit auch das Stechen von Ohrlöchern - in Deutschland keine gesetzliche Altersgrenze.

Die Berufsverbände haben sich unterschiedliche Regelungen auferlegt. Die Europäische Vereinigung für professionelle Piercings (EAPP) spricht sich gegen Eingriffe bei Jugendlichen unter 14 Jahren aus. "Das lehnen wir grundsätzlich ab", sagt die EAPP-Vorsitzende Martina Lehnhoff. Bei älteren Jugendlichen werde die Zustimmung beider Elternteile gefordert.

Diese müssten auch beim Vorgespräch anwesend sein, wo sie über die Risiken, die Pflege sowie die Nachsorge aufgeklärt würden.

Der Bundesverband der Juweliere, Schmuck- und Uhrenfachgeschäfte (BVJ) sieht hingegen keine Notwendigkeit für eine Altersgrenze.

 "Wir können den Erziehungsberechtigten ihre Verantwortung nicht abnehmen", sagt BVJ-Geschäftsführer Joachim Dünkelmann.

Die Empfehlung des Verbandes lautet, bei unter 16-Jährigen die Einwilligung und Anwesenheit eines Erziehungsberechtigten zu fordern.

Bei Jugendlichen ab 16 Jahren ist nach Ansicht des BVJ eine schriftliche Einverständniserklärung ausreichend.

Der Verein Deutsche Organisierte Tätowierer (DOT) lehnt Tätowierungen für Jugendliche unter 18 Jahren ab.

 

Das sind die Risiken von Ohrschmuck

Ohrlochstechen wird landläufig als harmlos betrachtet. Doch tatsächlich bestehen einige Risiken:

  • Nickel-Allergie: Seit 1998 dürfen die ersten Stecker, die in der frischen Wunde verbleiben, nicht mehr als 0,05 Prozent Nickel enthalten. Immer wieder ergeben Messungen, dass Ohrstecker weit mehr Nickel enthalten. Entwickelt sich eine Allergie, ist diese dauerhaft. Allerdings ist es äußerst schwierig, im Alltag Nickel zu vermeiden, da der Allergieauslöser in so vielen Gegenständen enthalten ist: Beispielsweise in Schmuck (Gold und Silber), Armbanduhren, Türklinken, Reißverschlüssen, Knöpfen, Scheren, Münzen, Implantaten aus Chirurgenstahl. Achtung: Der Hinweis "Oberfläche nickelfrei" bedeutet meist nichts anderes, als, dass das nickelhaltige Schmuckstück nur mit einer Lackierung überzogen ist, die sich auflösen kann.

 

  • Das Schießen: Meist wird eine sogenannte Ohrlochpistoleverwandt. Diese Methode ist verbreitet, aber nicht empfehlenswert. Der stumpfe Erststecker wird mit Druck durch das Gewebe gepresst und zerfetzt es gleichsam, es wird geschädigt und heilt langsamer. Die schonendere Methode ist das Stechen mit einer sterilen Einmalnadel von einem Arzt oder in einem seriösen Piercingstudio.
  • Sterilisieren: Ein weiteres Problem der Ohrlochpistolen ist, dass sie nicht medizinisch einwandfrei sterilisiert werden können. Sie könnten also auch Krankheitserreger in die offene Wunde einbringen.

 

Die richtige Pflege für Ohrlöcher

  • Für die Erststecker eignet sich am besten Titan, der nickelfrei ist. Diese Erstecker verbleiben mehrere Wochen im Ohr. Ist das Ohr abgeheilt, kann auch Gold- und Silberschmuck getragen werden.
  • Juweliere empfehlen zwar häufig, die ersten Stecker täglich im Ohrloch zu drehen, das ist aber nicht nötig, verletzt sogar den Heilprozess im Hautkanal. Verkrustungen und festsitzende Stecker lösen sich von selbst wieder.
  • Diese Erststecker müssen auch beim Sport getragen werden. Dann wegen der Verletzungsgefahr unbedingt mit Pflaster abkleben. Später müssen Ohrringe beim Sport - vor allem bei Mannschaftssportarten mit Körperkontakt - entfernt werden.
  • Reizung meiden: Nicht an den Steckern herumspielen, nicht sofort Haare waschen, zwei Wochen nicht baden gehen, nur mit sauber gewaschenen Händen an das Ohr fassen, täglich Desinfektionslösung an das Loch tröpfeln.
  • Das Einsetzen und Herausnehmen so üben, dass der Stecker nicht verloren gehen kann, und auch der Stichkanal beim Wechseln oder wiedereinsetzten nicht geschädigt wird.



Piercer/in oder Arzt??

Was spricht dafür oder dagegen, dass man zum piercen zu einem zugelassenen Arzt geht?

Dafür spricht meist die Überlegung, dass Ärzte wohl hygienischer arbeiten als andere Studios, und besser wissen was man genau beachten sollte!

Das ist ein absoluter Trugschluss!!!!

Die Überlegung würde nur dann stimmen, wenn der durchführende Arzt wirklich einen "Lehrgang" als Piercer absolviert, oder besser gesagt über eine längere Zeit in einem Studio gearbeitet hat.

Denn in einem Studium der Allgemeinmedizin, selbst dem Fachstudium z.B. Hautarzt / Gynäkologie etc. werden die entsprechenden Praktiken, die notwendige Theorie oder auch nur im entferntesten die Möglichkeiten des piercens gelehrt oder gar nur besprochen.

Also ein Arzt der wirklich Ahnung hat, kann diese nur über einen "Kurs" bekommen, von dem er ein Abschlusszeugnis in den Händen hält.

Sonst fehlt wirklich wertvolles Wissen!

Aus meiner täglichen Routine kommen folgende Problematiken auf den „Patienten“ zu und sprechen somit dagegen :

1.     Ärzte piercen mitunter oft Minderjährige (unter 14 Jahren). Dieses ist auch als   Arzt nicht rechtlich gedeckt ist, da ein Piercing kein medizinischer Eingriff ist.

2.     Ärzte piercen oft Minderjährige (ab 14-18 Jahren) ohne die Einwilligung der Eltern (des Erziehungsberechtigten)! Auch das ist strafbar, da wie gesagt keiner der Eingriffe ein medizinischer Eingriff ist, den ein Arzt ohne die Einwilligung der Eltern durchführen darf. (Dies gilt nur bei medizinisch notwendigen Eingriffen)

3.     Die ganz schwarzen Schafe piercen sehr billig da sie vorher die Krankenkassenkarte durchziehen, und so einen Teil die Krankenkasse bezahlt, auch das ist nicht rechtlich haltbar.

4.      Oft wird der Kunde gebeten den Schmuck selber mitzunehmen. Das ist das aller schlimmste, denn erstens weiß der Arzt nicht ob um welches Material es sich handelt, noch ob der Schmuck sterilisiert ist. Zu 90% wird dieser unsteril eingesetzt und nur kurz vorher desinfiziert, da eine richtige Sterilisation mindestens eine Stunde in Anspruch nehmen würde (Ohne Schmckreinigung und Vorbereitung –einschweißen, etc.-). Zu guter Letzt kann man davon ausgehen, dass die Länge des Piercings nicht passt, denn die „medizinischen“ zum Ersteinsatz geeigneten Piercings findet man nicht wirklich im Verkauf, da diese nur zum piercen gedacht, und somit auch nur in Studios im Angebot sind. Ärzte haben nicht das Wissen welchen Schmuck (Länge/Dimension/Material/Kugelstärke) als Ersteinsatz verwendet werden muss.

5.      Ärzte verfügen meist nicht über die beim Piercing benötigten Instrumente, da diese im medizinischen Alltag meist keine Verwendung finden! Daher wird leider mit nicht passenden Hilfsmitteln gepierct oder auch ganz ohne Werkzeuge, auf gut Glück. Das Freihandstechen ist eine KUNST, welche selbst erfahrene Piercer nicht von heute auf morgen erlernen und erlangen können.

6.      Ärzte kennen die passende Länge des Stichkanals nicht, so dass die Piercings entweder zu lange oder zu kurz werden, was bei der Abheilung und später bei der Schmuckwahl ein Problem ist.

7.      Ärzte betäuben gerne wenn der Kunde das will, oder wenn sie zu wenig Sicherheit beim Stechen haben! Der Grund ist, man kann dann unbemerkt vom Kunden nochmal korrigieren kann und zudem noch die Kosten für die Betäubung abgerechnet wird. Auch führt die Betäubung der Stelle mittels Spritzen dazu, dass das betroffene Gewebe anschwillt und kann somit nach Abschwellung dazu führen, dass der Stichkanal schief ist.

Die Gefahr eine Lokalanästhesie rechtfertigen nie den Zweck des Piercings, deshalb sollte man keine Hautstelle betäuben um sie dann zu piercen!!

KEIN Piercing ist schlimmer als eine Impfung / Blutentnahme, und wenn richtig angebracht auch noch schneller geschehen.

8.      Ärzte verschreiben meistens gleich starke Medikamente nach dem Piercen, was völlig unnötig ist wie z.B. starkes Antibiotika als Salben oder Kortison! Dies damit der vermeidliche „Pfusch“ noch irgendwie abheilt! Das ist bei einem gut gemachten Piercing überflüssig!

9.  Ärzte sind oft berufsbedingt zu locker mit der Hygiene!! Klingt komisch, ist aber einfach erklärt: Oft wenn man beim Arzt ist, bekommt man eine Impfung und siehe da, der Arzt desinfiziert und spritzt alles ohne Handschuhe! Er darf das, ist ja ein Arzt! Beim Piercen dasselbe, hier fehlen meist sterile Zangen, steriler Schmuck, auch Handschuhe werden kaum verwendet. Vorbereiten und Desinfizieren, Anzeichnen alles ohne Handschuhe ist nicht gerade sinnvoll!

10. Laut Ärztekammer darf ein Arzt während seiner Sprechstunden keinem Gewerbe nachgehen. Somit könnte er das nur aussehalb dieser. Zudem müsste er einen Teil des Personals, usw. dann auch über diese „Firma“ abrechen und genau wie jedes Studio Steuern abführen und sogar Belege/Quittungen/Rechnungen für die Kunden ausstellen. Und nicht ganz zu vergessen überhaupt einmal das Gewerbe anmelden!!

11.  Ärzten passiert beim „Pfusch“ nicht viel, die Mediziner dürfen viel und haben gute Versicherungen! Wer einmal einen Arzt verklagen wollte merkt schnell – no chance- daher ist man locker mit dem Patienten! Ein Fehler führt kaum zu Konsequenzen.

Piercer hingegen müssen vor Gericht alles beweisen und zweifelsfrei nachweisen, dass sie alles erdenkliche richtig gemacht, den Kunden in jeglichem Belang aufgeklärt,  und dies alles auch fein säuberlich dokumentiert haben.

12.  Bei Komplikationen und  Probleme in der Abheilung kennen sich Ärzte meist gar nicht aus, da sie es nie in der Praxis gelernt haben!

Schade aber da hat mancher Piercer eine bessere Lösung und „Fachwissen“ welches Mittel wirklich hilft. Und die meisten von uns Piercern haben so viel Ahnung, dass wir wissen, sollte es docheinmal ein größeres Problem geben, dass wir nätürlich an einen mit Piercings erfahrenen Arzt verweisen!

Natürlich ist nicht jeder gewerbliche Piercer ein Heiliger, oder hat gar mehr wissen als ein Arzt. Auch gibt es Ärzte, die sich mit dem Thema umfassend befasst haben und somit sogar sehr gute Piercer sind, nur habe ich in meiner Praxis nur einen solchen kennenlernen dürfen. Vor einigen Jahren habe ich sogar versucht, zumindest mit den in meinem Umkreis Praktizierenden Kontakt aufzunehmen um einen Austausch anzuregen, doch ohne Erfolg, denn ich wurde von den „Göttern in Weiss“ erst gar nicht ernst genommen.


FAZIT:

Ärzte sind nach ihrem Studium keine Piercer und Piercer keine Ärzte,

beides will gelernt und studiert sein!


P.S.: Leider gibt es für Piercer (noch) keine einheitlichen Richtlinen. Die meisten Studios, welche sich nicht nur um zu verdienendes Cash gedanken machen, unterwerfen sich eigens "auferlegten" Mindestanforderungen. (Mehr zu diesem Thema unter "Mein Engagement")